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LIFEstockProtect: Herdenschutz neu interpretiert

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LIFEstockProtect: Herdenschutz neu interpretiert - © LIFEstockProtect: Herdenschutz Österreich, Bayern und Südtirol

„Herdenschutz funktioniert in den Alpen nicht. “ „Die einzige Lösung ist der Abschuss aller Wölfe. “ „Wenn der Wolf kommt, geht der Bauer. “ Diese und viele ähnliche Aussagen sind seit der Rückkehr der großen Raubtiere, allen voran des Wolfes, omnipräsent. Gibt es bei dieser Thematik nur schwarz oder weiß?

Um auf diese und weitere Fragen eine Antwort zu geben, startete 2020 das europäische Projekt LIFEstockProtect. Das oberste Ziel ist es, das Thema Herdenschutz zu vermitteln und Wissen darüber an Interessierte weiterzugeben. Nach über 120 Jahren ohne Wolfspräsenz ist dieses Wissen weitestgehend in Vergessenheit geraten. Die Rolle des Hirten und das Zäunen zum Schutz der Weidetiere erleben daher gerade in vielen Regionen Europas eine Renaissance. 

Die 17 Projektpartner kommen aus dem deutschsprachigen Alpenraum, aus Österreich, Bayern und Trentino-Südtirol und verfolgen den Ansatz „von Bauern, für Bauern“. Vertreter aus der Landwirtschaft tragen das Projekt und sind mit BIO AUSTRIA Niederösterreich und BIO AUSTRIA Bundesverband in Österreich, Bioland Bayern und Bioland Beratung GmbH in Bayern und der Arbeitsgemeinschaft für die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise in Südtirol maßgeblich vertreten.

Ein inhaltlicher Grundpfeiler sind Fortbildungskurse für interessierte Viehhalter und Hirten rund um das Thema Herdeschutz und Weidemanagement. Der praktische Zaunbau im Feld nimmt dabei neben theoretischen Einheiten zur Tiergesundheit und optimierter Weideführung den größten Raum ein. Viehhalter, welche bereits Herdenschutz betreiben und darin Erfahrung haben, sollen ihr Wissen an die Kursteilnehmer weitergeben und in Zukunft in sogenannten Kompetenzzentren eine Anlaufstelle für praktische Beratung sein. Eine universelle Lösung zum Schutz der Nutztiere gibt es nicht. Schafe, Rinder, Pferde, Ziegen, Schweine und Geflügel brauchen jeweils unterschiedliche Schutzsysteme, die je nach Gelände und Gegebenheiten anders aufgebaut werden müssen. LIFEstockProtect versucht daher zusammen mit Experten aus der Landwirtschaft, situationsangepasste Lösungen zu finden und dem Viehhalter bei der Suche nach dem bestmöglichen Schutz für seine Tiere zu unterstützen.

Herdenschutz umfasst in vielen umliegenden Gebieten wie dem Trentino, Schweiz, Frankreich oder Slowenien, auch den Einsatz von Herdenschutzhunden. In Südtirol, Bayern und Österreich ist der Einsatz dieser Hunde noch stark umstritten, auch da der rechtliche Rahmen und die Anforderungen an diese Hunde nicht vollends geklärt ist. LIFEstockProtect wird diese Aspekte in den kommenden Jahren untersuchen, um die Einsatzmöglichkeiten dieser Hunde zum Schutz der Nutztiere sowohl auf Almen als auch Heimbetrieben zu klären.

Neben der praktischen Ausbildung von Viehbauern und Hirten will das Projekt auch Bewusstsein schaffen für den Wert der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, den Erhalt lokaler Traditionen rund um die Viehzucht unterstützen, die Bedeutung für unser Landschaftsbild unterstreichen und den Wert einheimischer Produkte steigern. Gleichzeitig soll auch klar kommuniziert werden, vor welche Herausforderungen die Rückkehr des Wolfes Viehbauern stellt und damit Verständnis für deren Lage zu schaffen. Personen, die Herdenschutz aktiv erleben wollen, werden im Rahmen von Freiwilligeneinsätzen auf Almen die Möglichkeit bekommen, Hirten bei der täglichen Arbeit zu unterstützen. Dabei verfolgt das Projektteam die Idee des Erfolgsprojektes Pasturs aus der Lombardei und zielt gleichzeitig auf eine Wiederaufwertung des Hirtenberufes ab.

Mit LIFEstockProtect soll der Fokus weg vom Problem und hin zu funktionierenden Lösungsansätzen gelenkt werden. Dies ist ein wichtiger Schritt, um Bewusstsein für unsere traditionelle Alm- und Viehwirtschaft zu schaffen und die Arbeit der Viehbauern und Hirten schätzen zu lernen und zu unterstützen.

Fotocredits: Copyright © 2021 LIFEstockProtect: Herdenschutz Österreich, Bayern und Südtirol

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