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Die soziale Ader der Landwirtschaft

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Die soziale Ader der Landwirtschaft - © https://communitysupportedagriculture.org.uk/

Kinderbetreuung und Schule am Bauernhof erobern den ländlichen Raum
Die häufigste Form der sozialen Landwirtschaft in Südtirol stellt die Kinderbetreuung und die Schule am Bauernhof dar. Jugendliche lernen den ländlichen Alltag kennen und arbeiten dabei spielerisch mit Tieren und Pflanzen. Jetzt kommen neue Zielgruppen dazu, wie SeniorInnen mit Pflegebedarf, SchulabbrecherInnen und Menschen mit Behinderung.

Soziale Landwirtschaft – eine rechtliche Sichtweise
Seit dem Jahr 2012 ist die soziale Landwirtschaft durch den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss per Gesetzt geregelt. Die Länder adaptieren diese Gesetzte jetzt, und Italien hat im Jahr 2015 ein eigenes nationales Gesetz dazu verabschiedet. Basierend darauf hat die Provinz Bozen konkrete Vorgaben definiert. Wer in Südtirol Betreuung in der Landwirtschaft anbieten will, muss dies offiziell anmelden und eine pädagogische oder medizinische Ausbildung nachweisen. Damit erhält die soziale Landwirtschaft einen rechtlichen Rahmen.

Was passiert mit den sozialen Dienstleistern?
Derartige Pflege- und Betreuungsdienste sind ansonsten nur in urbanen Räumen verfügbar. Am meisten profitieren die Betreuten: SeniorInnen, MigrantInnen, Menschen mit Behinderung, SchulabbrecherInnen, Kinder und suchtkranke Menschen. Ziel ist, dass die Landwirte, die über eine spezielle Ausbildung für die soziale Landwirtschaft verfügen, mit betreuten Personen gemeinsam arbeiten und leben.

Soziale Landwirtschaft als Chance für alle Beteiligten
Menschen mit Behinderung werden „inkludiert“, das bedeutet sie werden in die Gesellschaft aufgenommen und können Aufgaben in ihren jeweiligen Ausbildungsbetrieben übernehmen. MigrantInnen können in der Arbeitswelt des fremden Landes ankommen, ihre sprachlichen Hürden überwinden und dort soziale Kontakte knüpfen. Auch SeniorInnen profitieren von dieser Form der Betreuung, da sie am alltäglichen Leben teilnehmen und auf verschiedene Generationen treffen. In der Landwirtschaft erhalten sie die Chance, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die zusammenarbeitet und lebt. Landwirte erhalten durch die Betreuten zusätzliche Unterstützung in ihren Betrieben und können Wissen über die Erzeugung von Lebensmitteln weitergeben. Lebensmittel erhalten einen hohen Stellenwert und werden mehr geschätzt. Die Betreuten erfahren durch die Landwirtschaft ein stabiles Umfeld, das ihnen Sicherheit bei der Bewältigung des täglichen Lebens gibt. Sie bekommen die Chance, wieder ein Teil der Gesellschaft zu werden und einen wertvollen Beitrag zu leisten.

Wie finanziert sich die soziale Landwirtschaft?
Aktuell wird diese Form der Betreuung über Teilnahmegebühren der KlientInnen finanziert, die aus deren persönlichem Budget aus Sozial- bzw. Versicherungsbezügen oder aus Eigenmitteln stammen. Spendengelder wie Stiftungsgelder und Mitgliedbeiträge unterstützen die Landwirte dabei. Auch im Rahmen des ländlichen Entwicklungsprogrammes können Gelder beantragt werden. Die Finanzierung sollte unkompliziert sein und der Zugang zur sozialen Landwirtschaft für alle ermöglicht werden, auch wenn die finanziellen Ressourcen beschränkt sind. Denn die soziale Landwirtschaft bereichert unsere Gesellschaft mit deren Betreuungsangebot und schließt jeden Menschen unabhängig von dessen Herkunft und Geschichte ein. Deshalb darf diese wertvolle Institution nicht durch fehlende Finanzierung nur Menschen mit entsprechenden finanziellen Mitteln zugänglich sein. Deshalb sollte für die soziale Landwirtschaft, wie staatliche Altersheime Betreuungseinrichtungen und Kindergärten für jede/n zugänglich sein.


Ellena BrandnerEllena ist eine Studentin der Geographie, und ihr Herzensanliegen ist die Landwirtschaft im Alpenraum. Die kennt sie nicht nur aus der Bibliothek, sondern hat sie als Hirtin mehrere Sommer aktiv gelebt. Wenn sie nicht gerade auf der Alm ist, findet man sie beim Radfahren und Kuchen essen in Bayern.

 

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