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Hülsenfrüchte: „Superfood“ für Mensch und Boden

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Hülsenfrüchte: „Superfood“ für Mensch und Boden - © Pixabay

Was wäre die mexikanische Küche ohne „Chili con carne“? Die indische ohne „Dal“? In vielen Teilen der Welt sind Bohnen, Linsen und Erbsen wichtige Grundnahrungsmittel.

Zu selten auf dem Teller
Im Gegensatz dazu ist Südtirol wahrlich kein Land der Bohnenesser: laut einer Erhebung des Landesinstitutes für Statistik ASTAT isst nur rund jeder vierte Südtiroler bzw. jede vierte Südtirolerin (26 Prozent) mehrmals pro Woche getrocknete Hülsenfrüchte oder solche aus der Dose. Zum Vergleich: italienweit ist es immerhin jede zweite Person (52 Prozent).

Dabei bieten der Anbau und der Verzehr von Hülsenfrüchten fast unübertreffliche Vorteile für die menschliche Ernährung und für die Landwirtschaft.

Die guten ins Kröpfchen!
Hülsenfrüchte öfter und in größeren Mengen als bisher und zugleich weniger oft tierische Produkte, insbesondere Fleisch, zu essen, ist gut für die eigene Gesundheit und ein Beitrag zu einer klimafreundlichen Ernährung.

Mit über 23 Gramm (pro 100 Gramm) enthalten etwa Linsen, Saubohnen und Süßlupinen – letztere sogar mit bis zu 40 Gramm – mehr Protein als Rind- oder Schweinefleisch. Damit kann ein Linsenburger ein Fleischgericht ersetzen. Hülsenfrüchte in Kombination mit Getreide, wie es zum Beispiel bei „Pasta e fagioli“ der Fall ist, ergeben ein biologisch hochwertiges Protein.

Bohnen, Linsen und Erbsen sind zudem reich an Ballaststoffen, B-Vitaminen und Mineralstoffen, darunter Eisen. Das macht sie nicht nur, aber auch für Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, interessant. Die Ballaststoffe sorgen für einen konstanten Blutzuckerspiegel, lang anhaltende Sättigung und eine gesunde Darmflora. Sekundäre Pflanzenstoffe wie Saponine wirken vermutlich antibiotisch und krebshemmend, Phytosterole cholesterinsenkend. Kein Wunder also, dass Hülsenfrüchte, regelmäßig genossen, dazu beitragen, chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.

Stickstoff und Humus für den Boden
Leguminosen brauchen keinen künstlichen Stickstoffdünger – sie sorgen sozusagen selbst für die Düngung. Die Knöllchenbakterien an den Wurzeln binden den Stickstoff aus der Luft und machen ihn für die Pflanze verfügbar: so bleibt sogar mehr Stickstoff im Boden, als die Pflanze selbst benötigt.

Mit ihrem verzweigten Wurzelsystem wirken Leguminosen einer Verdichtung der Böden entgegen und verbessern die Wasserhaltekapazität. Im Herbst wird das abgestorbene Wurzelwerk von den Bodenlebewesen in wertvollen Humus umgewandelt.

Hülsenfrüchte Made in Südtirol?
Obwohl Leguminosen zu den ältesten Kulturpflanzen gehören, sind sie in unseren Breiten in den letzten Jahrzehnten ziemlich in Vergessenheit geraten – leider. In Baden-Württemberg in Deutschland werden seit ein paar Jahren wieder erfolgreich (Alb-)Linsen angebaut. Überhaupt soll wegen der zahlreichen Vorteile der Anbau von Hülsenfrüchten in der Europäischen Union ausgeweitet werden. Das EU-Projekt TRUE wurde ins Leben gerufen, um die dafür erforderlichen Strategien zu identifizieren. Vielleicht sind ja auch in Südtirol schon bald Bohnen oder Linsen aus lokalem Anbau erhältlich… Bis dahin sammelt der Südtiroler Ernährungsrat schon mal die besten Rezepte mit Hülsenfrüchten für die Südtiroler Küche.


Silke Raffeiner Verbraucherzentrale Südtirol AgriCulture Eurac Research Blogs
Silke Raffeiner, Ernährungswissenschafterin bei der Verbraucherzentrale Südtirol und derzeit Sprecherin des Südtiroler Ernährungsrates, ist Mutter von zwei Kindern, Vegetarierin und – überwiegend – Bio-Konsumentin. “Nutella” und “Coca Cola” kommen ihr nicht auf den Tisch – was immer wieder für lebhafte Diskussionen mit dem älteren Sohn sorgt…

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