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Regionale Produkte: Umweltschutz und bunte Vielfalt

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Regionale Produkte: Umweltschutz und bunte Vielfalt - © Adobe stock/karepa

In Supermärkten sind Obst und Gemüse jederzeit verfügbar. Erdbeeren und Spargel sind selbst im Dezember keine Seltenheit mehr. Aber wie umweltfreundlich ist deren Produktion?

Der Klimawandel zeigt sich vielschichtig

Seit dem Jahr 2018 engagiert sich Greta Thunberg mit Schulstreiks für den Klimaschutz. Zahlreiche Schüler schlossen sich ihr an, woraus die heute weltweite Bewegung „Fridays for future“ entstand. Klimakiller wie das Fliegen und die Erzeugung von Energie durch fossile Brennstoffe geraten immer weiter in Kritik. Doch was können wir als Verbraucher tun? Den Urlaub auf den Malediven durch Urlaub am Bauernhof zu ersetzen, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren und den Fleischkonsum zu verringern sind einleuchtende Beispiele. Doch der Klimawandel ist ein vielschichtiges Problem und betrifft alle Bereiche des Lebens.

Die Äcker Europas

Wenn man sich in einem Supermarkt umsieht, kann jederzeit, jedes Obst und Gemüse erworben werden. Erdbeeren im Dezember? Normalerweise beginnt die Erdbeerssaison im Mai und endet im Juli, mit regionalen Unterschieden. Da stellt sich die Frage, woher diese und viele andere Produkte stammen. Eine Antwort darauf liefert die bewässerungsintensive Landwirtschaft im Süden von Italien und Spanien. Dort ermöglichen die milden Temperaturen im Winter die ganzjährige Bewirtschaftung, teils in Gewächshäusern, teils im Freiland.

Wasser Marsch!

Damit in diesen trockenen Regionen Paprika, Spargel, Erdbeere und Tomate gedeihen, sind Unmengen an Wasser nötig. Ein extremes Beispiel dafür ist die Region Almeria, das Plastikmeer Andalusiens. Und auch Totalán, ebenfalls in Südspanien gelegen, hat vor Kurzem traurige Berühmtheit erlangt. Da dort der Wasserverbrauch stetig steigt, einerseits durch Urlaubsgäste, andererseits durch die Landwirtschaft, werden illegal Schächte gegraben, in der Hoffnung, neue Wasserressourcen zu finden. Das hatte zur Folge, dass ein zweijähriger Junge in einen ungesicherten Schacht fiel und starb.

Das Ausmaß der Bewirtschaftung

Durch die ganzjährige Bewirtschaftung und Bewässerung verschlechtert sich die Qualität der Böden rapide, das bedeutet die Böden werden „degradiert“. Eine Folge der intensiven Bewirtschaftung ist die sogenannte Versalzung. Natürliche, im Boden enthaltene Salze werden gelöst, steigen durch die starke Verdunstung an und lagern sich im obersten Horizont des Bodens ab. Durch die intensive Nutzung wird dieser für die landwirtschaftliche Nutzung unbrauchbar und bleibt irreversibel geschädigt. Deshalb wird oftmals von einer Desertifikation gesprochen, einer Ausbreitung der Wüste. Der immense Einsatz von Pestiziden verstärkt die Zerstörung der Böden und stellt eine Gefahr für den Menschen und seine Umwelt dar. Ebenso problematisch ist der Bau von Gewächshäusern. Dieses „Meer aus Plastik“ stört nicht nur das Landschaftsbild, sondern verschmutzt die Gebiete, durch unsachgemäßes Entsorgen und den Eintrag von Plastik in Flüsse und Böden.

Die soziale Perspektive

Neben der Zerstörung der Böden und dem Verbrauch immenser Wassermengen stellt auch die Ausbeutung der Arbeiter ein großes Problem dar. Sie müssen Obst und Gemüse mit gesundheitsschädlichen Spritzmitteln oft ohne Schutzkleidung behandeln. In Sizilien und Kalabrien arbeiten afrikanische Flüchtlinge und Migranten zu Billiglöhnen. Sie besitzen keine Aufenthaltspapiere und können sich in den meisten Fällen keine Wohnung leisten. Deshalb leben sie in Zeltstädten oder verlassenen Gebäuden. Weil sie illegal im Land sind haben sie keine Möglichkeit, sich zu wehren. Diese Umstände wurden im Rahmen der Reportage „Europas dreckige Ernte“ von den deutschen Sendern BR und ARD aufgedeckt.

Vom Flugzeug auf den Teller

Neben der Ausbeutung der Menschen und Zerstörung der Böden ist zudem der lange Warentransport ein Faktor, der sich in der Umweltbilanz niederschlägt. Die Lebensmittel werden per Lastwagen, Schiff oder Flugzeug in das Zielland transportiert. Nach einer Studie von Lauber und Hoffmann ist der Transport aus Übersee besonders problematisch. Hier wird 5- bis 28-mal mehr Primärenergie verbraucht und CO2 ausgestoßen. Das bedeutet, dass mit der gleichen Menge an Energie die 11-fache Menge an Gemüse oder Obst in Deutschland transportiert werden kann.

Lösungsansätze für ein vielschichtiges Problem

Oftmals wird argumentiert, dass der CO2-Ausstoß für die Produktion heimischer Produkte höher ist auf Grund langer Lagerung im Kühlhaus oder dem Anbau im Gewächshaus. Aber in Anbetracht der Umstände, dass Ökosysteme zerstört werden, Wasser in den Herkunftsländern verknappt und die Menschen, die dort arbeiten, ausgebeutet werden, stellt regionale und saisonale Ernährung eine wichtige Aufgabe für den Konsumenten dar. Uns muss bewusst werden, dass der Kauf von Produkten aus dem Ausland ein Geflecht von Problematiken ist, das nicht auf einen Faktor reduziert werden darf. Deshalb müssen wir uns mit regionalem und saisonalem Obst und Gemüse auseinandersetzen und werden feststellen, dass die heimische Vielfalt groß ist. Pastinaken, Grünkohl und gelbe Beete sind hier nur Beispiele, die kreativ in den täglichen Speiseplan integriert werden können. Auf dem Wochenmarkt und im „Bioladen“ wird man fündig, kann die EU-qualitätsgenormte Gurke links liegen lassen und sich auf die Farbenvielfalt und Einzigartigkeit im Geschmack und Aussehen von Gemüse und Obst von heimischen Bauern einlassen. Der Kauf von regionalen und saisonalen Produkten bereichert somit nicht nur die Vielfalt unseres Speiseplans, sondern setzt ein Zeichen, dass die Ausbeutung von Landwirten und die Zerstörung der Umwelt endlich ein Ende finden muss.


Ellena BrandnerEllena Brandner studiert Geographie, und ihr Herzensanliegen ist die Landwirtschaft im Alpenraum. Die kennt sie nicht nur aus der Bibliothek, sondern hat sie als Hirtin mehrere Sommer aktiv erlebt. Wenn sie nicht gerade auf der Alm ist, findet man sie beim Radfahren und Kuchenessen in Bayern.

 

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