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Freiwilligenarbeit auf Südtiroler Bio-Bauernhöfen mit Kuriositäten

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Freiwilligenarbeit auf Südtiroler Bio-Bauernhöfen mit Kuriositäten - © Unsplash

WWOOF (world wide opportunities on organic farms) ist eine weltweite Organisation, die es ermöglicht, dass sich Landwirte und Nicht-Landwirte unterschiedlicher Herkunft näherkommen. Freiwillige können sich dazu melden, für mindestens eine Woche vier bis sechs Stunden täglich auf einem ökologisch wirtschaftenden Bauernhof mitzuhelfen. Dafür erhalten sie Essen, Unterkunft und den Einblick in unterschiedliche bäuerliche Lebensweisen. In 54 Ländern gibt es WWOOF-Organisationen, die als Plattformen das Zusammenfinden von interessierten Bio-Bauern und Freiwilligen fördern. WWOOF Italien hat 105 Mitgliedsbauernhöfe. In Südtirol nehmen derzeit 16 landwirtschaftliche Betriebe, die sich hauptsächlich im Vinschgau, Pustertal, Eisacktal und Unterland befinden, WWOOFer auf. Die Steckbriefe dieser Bio-Bauernhöfe wecken das Interesse, eine spezielle Seite der lokalen Landwirtschaft und der Menschen dahinter kennenzulernen.

Vielfalt auf dem Feld und im Stall
Die Südtiroler WWOOF-Bauernhöfe kultivieren verschiedene Nutzpflanzen, wie Gemüse, Kräuter, Obst, Getreide, Grünland und Blumen. Die meisten halten auch Tiere, darunter Schweine, Schafe, Kühe, Hochlandrinder, Hühner, Truthähne, Esel, Lamas, Alpakas, Pferde, Hasen, Fische oder Bienen. Aufgrund der Kleinstrukturiertheit der Betriebe und der teilweise sehr steilen Flächen ist in Südtirol eine vielfältige, biologische Landwirtschaft mit viel Handarbeit verbunden. WWOOFer helfen den Landwirten bei der Bewirtschaftung des Hofes und lernen dabei verstehen, welche Arbeit hinter der Lebensmittelproduktion in einem Berggebiet steckt. WWOOFing in Südtirol ist also etwas für Menschen, die körperliche Arbeit nicht scheuen und den Wunsch haben, „die Grundlagen der Beziehung zwischen Mensch und Natur zu erforschen“, wie einer der Gastgeber schreibt. Ihre Aufgabenbereiche reichen vom Säen, Jäten, Ernten bis hin zu Stallarbeiten, Reparaturarbeiten, Mithilfe im Haushalt, bei der Lebensmittelverarbeitung und beim Verkauf auf Märkten.

Anders als der Südtiroler Durchschnitt
Die meisten der 16 Betriebe sind untypisch für die Südtiroler Landwirtschaft. Sie sind nicht auf den Obstbau, Weinbau oder die Milchwirtschaft spezialisiert. Abgesehen von den vielfältigen Kulturpflanzen und Tieren von und mit denen die WWOOF-Gastgeber auf ihren Höfen leben, scheinen sie bei ihrer Arbeit nicht nach Gewinnmaximierung zu streben: Der Begriff „Selbstversorgung“ kommt in vielen WWOOF-Hofbeschreibungen vor. Am Fennberg im Unterland bewirtschaftet beispielsweise ein Landwirtepaar die Felder mit Eseln statt mit einem Traktor, um den Boden zu schonen. Einige Bauern legen Wert auf einen nachhaltigen und unüblichen Lebensstil. So ist von vegetarischer Küche, Komposttoiletten, Duschen im Freien, Baden im Bach oder Schlafen im Tipi die Rede.

Mehr als nur Freiwilligenarbeit – ein Blick über den Tellerrand
Die Hofbeschreibungen lassen vermuten, dass die Landwirte ihre Interessen mit den Freiwilligen teilen wollen. Sie bieten den Teilnehmern an, etwas über Permakultur, biodynamische Landwirtschaft, Homöopathie oder umweltfreundliches Bauen zu erfahren. Eine junge Malser Bäuerin möchte gemeinsam mit ihren Mithelfenden Yoga machen oder DIY-Projekte initiieren. Kulturinteressierte WWOOFer lädt ein junges Bauernpaar aus Wangen ein, aktiv an ihren öffentlichen Kunstveranstaltungen im Hotel Amazonas, wie sie ihren Hof nennen, mitzuwirken: „Gerne teilen wir Wissen, Erfahrungen und Interessen in einem kreativen und ungewöhnlichen landwirtschaftlichen Umfeld“. Die Landwirte sind also bereit, den Freiwilligen mehr als nur ihre landwirtschaftliche Praxis zu zeigen. Umgekehrt profitieren sie gleichzeitig von den neuen Sichtweisen, die Außenstehende in die bäuerliche Realität einbringen.


Verena Gramm Agriculture Eurac Research Blogs
Verena ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Regionalentwicklung von Eurac Research und beschäftigt sich dort mit Themen der nachhaltigen Agrar- und Ernährungswirtschaft. Begleitet wird sie in ihrem Alltag von der Frage, wie man möglichst wenig verschwenderisch leben kann. Ansonsten erkundet sie gerne die Bergwelt, liest Bücher und mag Eis.

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